Advice,  Feelings Involved

Feelings Involved #10: Feelings Very Much Involved

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Hallo Kitty,

Ich bin weiblich, Mitte 20 und seit 3 Jahren Single. Das finde ich auch nicht schlimm. Allerdings bin ich ein lustvoller Mensch und vermisse es sehr, Sex zu haben. Natürlich kann man den kriegen, wenn man will, jedoch ist es so für mich, dass ich Sex nur wirklich genießen kann, wenn ich eine emotionale Verbindung zu dem Menschen spüre und sowas finde ich nicht so leicht. Ist das normal?

Ich fühle mich oft unter Druck gesetzt, weil viele um mich herum oft wechselnde Sexualpartner haben und ich das aber einfach nicht kann. Ich habe solche kurzen Bettgeschichten zwar schon ausprobiert und der Akt an sich hat mich eigentlich auch befriedigt, nur geht es mir danach emotional nicht sehr gut, da ich Sex einfach nicht von Emotionen trennen kann. Ich fühle mich danach irgendwie benutzt und links liegen gelassen.

Hast du eventuell einen Ratschlag was ich tun kann, damit ich trotzdem "sexuell befriedigt" bleibe, ohne mich emotional zu überfordern? Sollte ich lernen, Sex von Emotionen zu trennen? Oder muss ich einfach sexlos bleiben, bis ich wieder den richtigen Partner dafür gefunden habe?

Emotional frustriert

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Dear Kitty, 

I am female, in my mid-20s and have been single for 3 years, which I don't mind. However, I’m a sensual person and really miss having sex. Of course, you can get it if you want it, but personally I can only really enjoy sex when I feel an emotional connection to the person – and that's not so easy to find. Is this normal?

I often feel under pressure, because many people around me have frequently changing sexual partners and I can't do that. I’ve tried these quick sexual connections and the act itself has actually satisfied me, but I didn't feel very good emotionally afterwards, because I couldn’t separate sex from emotions. Whenever this happens, I feel somehow used and left behind afterwards.

Do you have any advice on how I can stay "sexually satisfied" without overexerting myself emotionally? Should I learn to separate sex from emotions? Or do I simply have to remain sexless until I have found the right partner again?

Signed,
Emotionally Frustrated

++++ English translation below ++++

Dear Emotionally Frustrated,

Ein Grund dafür, dass ich diese Kolumne Feelings Involved nennen wollte, ist, dass sich die Idee “Sex ohne Gefühle” für mich immer wie ein Ablenkungsmanöver oder zumindest wie eine Fehlbezeichnung angefühlt hat. Sicherlich beinhaltet selbst der glücklichste Gelegenheitssex Gefühle wie Verlangen, Anziehung und Befriedigung? Anstatt also darüber nachzudenken, wie man Sex von Gefühlen trennt, werde ich mich darauf konzentrieren, über welche Emotionen wir sprechen, warum bestimmte Gefühle im Zusammenhang mit Sex aufkommen könnten und wie deine emotionalen Bedürfnisse am besten erfüllt werden könnten.

Es tut mir leid zu hören, dass du dich manchmal nach dem Sex emotional schlecht gefühlt hast. Das ist eine wirklich unangenehme und aufreibende Erfahrung (obwohl sie leider nicht ungewöhnlich ist). Wenn du sagst, dass du diese Gefühle hattest, “weil [du] den Sex nicht von den Emotionen trennen konntest”, höre ich einige Selbstvorwürfe, die ich nicht unterstützen möchte. Unsere sexnegative und patriarchale Gesellschaft hat ein Arsenal an Möglichkeiten, Frauen ein schlechtes Gefühl zu geben, befriedigenden Sex zu haben – besonders Sex außerhalb einer langfristigen, monogamen, heterosexuellen Beziehung. Die Vorstellung, dass eine Frau, wenn sie Sex hat, “aufgibt”, nachgibt oder etwas verschenkt, ist in Bezug auf Cismen konstruiert, aber sie kann ebenfalls beeinflussen, wie Frauen sich im Bezug auf sie selbst fühlen und ihre sexuellen Entscheidungen beeinflussen, unabhängig davon, mit wem sie schlafen.

Ein heimtückischer Mythos ist, dass Frauen Sex haben, um Männern emotional nahe zu kommen, während Männer Frauen emotional nahe kommen, um Sex zu haben. Und egal, welches Gender oder welche sexuelle Orientierung wir haben, egal, wie aufmerksam wir sind oder wie viel Arbeit wir geleistet haben, um verinnerlichte, patriarchale Strukturen abzulegen, dieses Zeug geht tief. Wenn du nicht die emotionale Verbindung bekommst, die du dir gewünscht hast, anstatt dich einfach nur unzufrieden zu fühlen oder dich zu fragen, wie du das in Zukunft erreichen kannst, kann es gut sein, dass du dich von einem Gefühl überkommen fühlst, dass du nur benutzt wurdest, oder schlimmer noch, von einem Gefühl der Scham. Aber Gelegenheitssex ist vielleicht einfach nicht dein Ding: daran ist nichts falsch.

Außerdem kann es während dieser Begegnungen bestimmte Dinge gegeben haben (oder auch nicht), die dazu geführt haben, dass du dich danach schlecht gefühlt hast: es lohnt sich, darüber nachzudenken und zu sehen, ob du diese Dinge benennen kannst. Aber vergiss nicht, dass Post-Sex-Gefühle wie “benutzt” und “zurück gelassen” die Aushängeschilder unserer Slut-Shaming-Kultur sind: sie sind nicht deine Schuld.

Es ist nichts Falsches daran, Sex nur mit Leuten zu genießen, mit denen du eine emotionale Verbindung teilst. Interessant ist, welche Art von emotionaler Verbindung du persönlich schätzt: gegenseitiges Vertrauen, intensive Anziehung, einen gemeinsamen Sinn für Humor, sich schon lange zu kennen oder vielleicht ist etwas ganz anderes? Es klingt so, als ob du mit dem Singledasein einverstanden bist, aber die Art von Sex vermisst, die du genießt. Die Frage, die ich sehe, ist, ob die spezifische emotionale Verbindung, die du brauchst, etwas ist, das es nur in einer festen romantischen Beziehung gibt. Das könnte sein; und das ist vollkommen okay! Aber es könnte auch sein, dass Sex-als-Single andere Optionen als “emotionslose” Begegnungen beinhalten könnte. Lass uns zuerst die letztere Option untersuchen.

Sex mit Freund*innen löst bei einigen Alarmglocken aus; für andere bietet das Hinzufügen von Sex zu einer bereits bestehenden Freund*innenschaft die Sicherheit, die man braucht, um sich auch außerhalb einer großen R-Beziehung zu amüsieren. Diese Dynamik kann langfristig funktionieren und könnte eine Alternative zu den schnellen sexuellen Verbindungen sein, von denen du weißt, dass sie für dich nicht funktionieren – mit dem Bonus, dass viele Menschen feststellen, dass Sex sich verbessert, wenn man sich intimer kennen lernt. Unabhängig von den Debatten über die Unterscheidung zwischen einer Freund*innenschaft mit Vorteilen (FMV) und einem Fuck-Buddy (FB), ist es viel wichtiger eure Erwartungen, Grenzen, Bedürfnisse, Respekt, sowieso gute Kommunikation zwischen dir und deinem FB/FMV zu etablieren. Es gibt einige hilfreiche Ratschläge, wie man sich in solchen Arrangements zurechtfindet, aber wie bei allem, was mit Sex zu tun hat, kann niemand eine genaue Landkarte aushändigen, was für dich am besten funktioniert.

Erwäge, wie sich die emotionale Verbindung, die du suchst, in Aktion manifestiert. Praktiken wie Kuscheln nach dem Sex, Übernachten oder ein Anruf beim Check-In am nächsten Tag, können das Gefühl von Verbundenheit und Fürsorge unterstützen – und es ist dir erlaubt, diese Dinge von jemandem zu verlangen, der nicht dein*e Partner*in ist! Manche Arten von Sex aus dem Menü zu nehmen, kann dir auch helfen, einen Sweet Spot zu finden, an dem du sexuelle Befriedigung ohne emotionale Überanstrengung erreichen kannst. Obwohl Dating und Hook-up-Apps dafür berüchtigt sind, die zwanglosesten aller sexuellen Begegnungen zu erleichtern, können sie dir die Chance geben, im Voraus zu sagen, wofür genau du dich interessierst – und wofür nicht. Wenn dich die Idee anspricht, jemanden neu kennenzulernen, mit dem du eine sexuelle Beziehung haben kannst, ohne eine romantische Beziehung einzugehen, dann ist es nicht unmöglich, dass du auf diese Weise jemanden findest, der zu dir passt.

Andererseits ist dir vielleicht klar, dass die emotionale Bindung, die du brauchst, um Sex zu genießen, etwas ist, das du nur mit einer*m Partner*in bekommen kannst. Das mag zwar frustrierend sein, aber es ist definitiv nicht schlecht oder falsch oder in irgendeiner Weise ein Mangel deinerseits. Wenn du jemanden siehst, der seine Sexualpartner*innen so mühelos wechselt, wie einen Pullover, dann erinnere dich daran, dass dieser Mensch nicht du bist. Manchmal lohnt es sich einen weiseren und selbstliebenderen Weg einzuschlagen und anstatt zu ändern, wie wir fühlen, versuchen zu verändern, wie wir über unsere Gefühle denken. Anstatt zu lernen, sich weniger um die emotionale Bindung zwischen dir und deinen Liebhaber*innen zu kümmern, kannst du versuchen den Wert, den du ihr beimisst, als einen wichtigen Teil deiner Sexualität anzunehmen?

Keine Partner*innen zu haben, mit dem man spielen kann, macht meines Erachtens niemanden Sexlos. Sex mit anderen mag im Moment nicht auf der Tagesordnung stehen, aber Sex mit sich selbst ist leicht verfügbar. Masturbation kann immer noch einen schlechten Ruf haben, da sie allzu oft als Ersatz für “das Echte” angesehen wird. In Wirklichkeit ist es ein zuverlässiger Weg, sich selbst sexuell befriedigt zu halten, der an sich schon eine Menge Spaß machen kann. Zu seinen vielen Vorteilen gehört die Tatsache, dass regelmäßige Masturbation unsere emotionale Bindung zu uns selbst verstärken kann – und das ist ziemlich cool. Und wenn sich Solofliegen ein wenig eingerostet anfühlt, ist es vielleicht an der Zeit, ein neues Spielzeug auszuprobieren oder einige Kink Elementen zu erforschen.

Ich wünsche dir Verbindung, Befriedigung und emotionales wohl-sein, in welcher Form auch immer es für dich am meisten Sinn ergibt.

Kitty

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Dear Emotionally Frustrated,

One reason that I wanted to call this column Feelings Involved is that the idea of “sex without feelings” has always felt like a red herring, or at least a misnomer, to me. Surely even the happiest casual hook-up involves feelings like desire, attraction, and satisfaction? So rather than thinking in terms of separating sex from emotions, I’m going to focus on which emotions we’re talking about; why certain feelings might come up in relation to sex; and how your emotional needs could best be met.

I’m sorry to hear that you’ve sometimes felt bad emotionally after sex. That’s a really unpleasant and unsettling experience (although, sadly, not uncommon). When you say that you had these feelings “because [you] couldn’t separate sex from emotions,” I hear some self-blame that I can’t get on board with. Our sex-negative and patriarchal society has an arsenal of ways to make women feel bad about having satisfying sex – especially sex outside a long-term, monogamous, heterosexual relationship. The idea that when a woman has sex she is “giving it up”, giving in, or giving something away is constructed in relation to cismen, but it can influence how women feel about themselves and their sexual choices, regardless of whom they’re sleeping with.

One pernicious myth is that women have sex in order to get emotionally close to men, while men get emotionally close to women in order to have sex. And no matter our gender or sexual orientation, no matter how woke we are or how much work we’ve done to dismantle internalised patriarchal structures, this stuff goes deep. If you’re not getting the emotional connection you want, rather than simply feeling dissatisfied or wondering how to achieve that in future, you may well be ambushed by a feeling that you were just used or, worse still, a sense of shame. But casual sex may just not be your cup of tea: there’s nothing wrong with that.

Furthermore, there may have been specific things that happened (or didn’t happen) during those encounters that led to your feeling bad afterwards: it’s worth reflecting on that and seeing if you can name those things. But know that post-sex feelings like “used” and “left behind” are the calling card of our slut-shaming culture: they’re not your fault.

There’s nothing wrong with only enjoying sex with people with whom you feel an emotional connection. What’s interesting is what kinds of emotional connection you personally value: mutual trust, intense attraction, a shared sense of humour, having known one another a long time, or something else entirely? It sounds like you’re okay with singledom, but miss the kind sex that you enjoy. The question I see is whether the specific emotional connection you need is something that’s only available within a committed romantic relationship. It might be; and that’s okay! But it might also be that sex-while-single could include options other than “emotionless” encounters. Let’s explore the latter option first.

Sex with friends sets alarm bells off for some; for others, adding sex to an existing friendship provides the security needed to enjoy oneself outside of a capital-R Relationship. These dynamics can work out long-term and could be an alternative to the quick sexual connections that you know don’t work for you – with the bonus that many people find sex improves as people get to know one another more intimately. Debates about the distinction between a friend with benefits (FWB) and a fuck buddy (FB) aside, more important than the labels are establishing your and your FB/FWB’s needs, expectations and boundaries; honesty and respect; and clear communication. There’s some decent advice available on how to navigate such arrangements, but as with anything to do with sex, no-one can provide an exact roadmap of what will work best for you.

Consider how that emotional connection you seek manifests in action. Practices like post-sex cuddles, sleeping over, or a check-in phone call the next day can support feeling connected and cared about – and you’re allowed to ask for those things from someone who isn’t your boyfriend/girlfriend! Keeping some kinds of sex off the menu may also help you to find a sweet spot where you can achieve sexual satisfaction without emotional overexertion. While dating and hook-up apps are notorious for facilitating the most casual of sexual encounters, they can give you the chance to state upfront exactly what you are – and aren’t – interested in. If the idea of meeting someone new with whom to have connected sex, without getting into a relationship, appeals to you, it’s not impossible that you could find someone compatible this way.

On the other hand, perhaps you realise that the emotional connection you need to enjoy sex is something that you can only get with a partner. While that may be frustrating, it’s definitely not bad or wrong or unenlightened or in any way a deficiency on your part. When you see someone changing sexual partners as effortlessly as they change their sweater, remind yourself that they are not you. Sometimes, rather than trying to change our feelings, a wiser and more self-loving route is to try to change how we feel about our feelings. Rather than learning to care less about the emotional connection between you and your lovers, can you embrace the value that you place on it, as a key part of your sexuality?

Not having a partner to play with doesn’t, to my mind, render anyone sexless. Sex with others may not be on the cards right now, but sex with yourself is readily available. Masturbation can still get a bad rep, too often seen as a substitute for “the real thing”. In reality it’s a reliable way to keep ourselves sexually satisfied that can be a whole lot of fun in its own right. Among its many benefits is the fact that regular masturbation can actually enhance our emotional connection with ourselves – and that’s pretty cool. And if flying solo is starting to feel a little old, it might be time to inject some novelty with a new toy or some elements of kink.

I wish you connection, satisfaction, and emotional well-being, in whatever form they make most sense to you.

Kitty

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If you’d like to get Kitty’s take on a problem, concern or question, you can submit a letter! Kitty – and our readers – want to hear a bit about you and your context: What is the background story to this problem? How is it making you feel? What outcome do you wish for, and what have you tried already to resolve the issue?

Letters should be around 200-300 words in length, can be submitted in English or German, and may be edited for length or translated before publication. Submissions are treated with complete confidentiality and are anonymised before they are read by Kitty. Please note that we unfortunately cannot respond to all letters and won’t be able to enter into personal correspondence.

Please include a signature name that we can publish with your letter. This should be an anonymous name that has some relevance to your issue. If none is provided, we’ll create one that we think is fitting!

Send your letters to feelings(at)other-nature.de